KI-Suche erzwingt neue Routinen: Sichtbarkeit ohne Klick, Vertrauen vor Reichweite – Public Value wird zur Zitierfrage.

Von Lukas Butscher

ida, Teamlead Search

Vertrauen entsteht, wo KI Antworten baut – und nicht nur dort, wo publiziert wird.

Nach dem Launch von ChatGPT hat sich die Suche nach Information radikal verändert. KI-Chatbots gewannen an Beliebtheit. Der Abgesang auf Google kommt aber zu früh. Mit der Integration des KI-Modus in die klassische Google-Suche sowie der Vorstellung von Gemini 3 und Generative UI feierte der Marktführer nach Startproblemen (glue on pizza) sein Comeback.

Google bleibt der erste Kontaktpunkt für Online-Suche

Die neue Suche passiert nicht freiwillig. KI-Suchsysteme zwingen Menschen das neue Suchverhalten regelrecht auf. Trotz Hype sieht die Realität so aus, dass der Referral Traffic von KI-Chatbots gering ist. Denn: Menschen vertrauen Google. Das Suchverhalten von Menschen – vor allem bei der Suche nach politischen News – ist stabil. Google bleibt die Nummer Eins.

Abhängigkeit von Google reduzieren: SEO- und Social-Teams wachsen enger zusammen

Reddit, Facebook und Instagram gehören zu den Quellen, die in Deutschland am meisten in Googles KI-Modus zitiert werden. Auf all diesen Plattformen dominieren nutzer:innengenerierte Inhalte. Das wird dazu führen, dass SEO- und Social-Teams enger zusammenarbeiten müssen – nicht nur aus Reichweitenlogik, sondern aus Gründen der Repräsentation. Denn wo KI Antworten aus Communities und Kommentaren bezieht, entsteht Sichtbarkeit jenseits der eigenen Website.

Vertrauen entsteht dort, wo KI hinschaut – nicht nur dort, wo publiziert wird

Mit der Zunahme von Zero-Click-Searches verschiebt sich der Fokus weiter von Klicks hin zur Markenwahrnehmung. Für Public-Value-Anbieter bedeutet das: Entscheidend ist nicht allein, ob Inhalte geklickt werden, sondern ob sie als verlässliche Quelle erkennbar bleiben, wenn sie in fremden Interfaces oder Diskursräumen auftauchen. Die Rolle als Trusted Source entsteht zunehmend dort, wo journalistische Inhalte eingeordnet und diskutiert werden – nicht nur dort, wo sie veröffentlicht werden.

SEO = GEO = LLMO = Optimierung für Nutzer:innen und nicht für Systeme oder Modelle

Ich verfolge mit Vergnügen die Debatte, wie man denn nun die neue Suchökonomie bezeichnen soll. Was vielleicht noch in Typologien in Marketing-Lehrbüchern eine Berechtigung hat, interessiert vor dem Suchschlitz niemanden mehr. Eine saubere Strukturierung der Inhalte und Zitierfähigkeit sind wichtig. Aber: Die Qualität der Inhalte bleibt zentral. SEO muss Redaktionen Raum für Kreativität lassen. Damit Neues entsteht und weniger Durchschnitt. Zum Glück honorieren das nicht nur Nutzer:innen, sondern auch Sprachmodelle.

Lukas Butscher ist Teamlead Search bei der Innovations- und Digitalagentur ida und verantwortet dort seit 2022 SEO- und GEO-Strategien für digitale Medien. Er interessiert sich für Nutzungsmuster im Suchverhalten von Menschen. Zuvor war er SEO-Redakteur bei t-online mit Fokus auf News und Evergreen-Content. Er hat Kommunikationswissenschaft in Berlin, Paris und Dresden studiert.