Die Arbeitsbedingungen für junge Journalist:innen sind seit Jahren schlecht - und genau deshalb wird sich 2026 alles bessern.

Von Luca Schmitt-Walz

Druckausgleich-Podcast, Founder & Host

2026 wird endlich besser für Nachwuchsjournalist:innen - weil es besser werden muss!

In mittlerweile 50 Folgen unseres Journalismuspodcasts „Druckausgleich”, welchen ich zusammen mit meiner Kollegin Annkathrin Weis für das Magazin journalist produziere, haben wir festgestellt: Die Arbeit im Journalismus ist für junge angehende Kolleg:innen ein reiner Kampf. Einstiegsgehälter bei 1.800 Euro netto, unentgeltliche (aber notwendige) Praktika, unbezahlte Überstunden und Recherchen und extrem viel Druck, dass jede Recherche erfolgreich sein muss. Dazu ständige Kürzungen, unterbezahlte Formate, Vertragslaufzeiten für ein halbes Jahr „dann schauen wir mal weiter“ und ein immer größer werdendes Misstrauen von Teilen der Gesellschaft in die Branche.

Die goldenen Zeiten im Journalismus gibt es nicht mehr und angesehen ist der Beruf erst recht nicht. Die Konsequenz dieser strukturellen Probleme ist, dass der Journalismus immer weniger Nachwuchs bekommt – und erst recht kaum solchen, der nicht aus einer Wohlstandsfamilie oder einem Akademikerhaushalt stammt.

Der Weg in den Journalismus ist weiterhin extrem schwer, die Ausbildung dauert lange. Und so bleibt es ein Job, den man muss sich leisten können muss – und der gerade in der multimedialen Zeit mehr denn je verlangt: Kameraskills, Schnittfähigkeiten, Fotografie, Social Media Reichweite, eine Menge Resilienz, Stressresistenz, Durchsetzungsvermögen und im besten Fall Expertise in einem Fachgebiet.

In vielen anderen Branchen wird das finanziell honoriert, im Journalismus nicht. Ich befürchte, immer weniger junge Menschen wollen sich das antun. Verständlicherweise, siehe oben. Und gerade deswegen ist meine Erwartung an das Jahr 2026, dass es langsam besser wird.

Journos in meinem Alter gründen eigene Produktionsfirmen, im ÖRR gehen immer mehr der älteren Kolleg:innen (und damit die Entscheider:innen) in ihren wohlverdienten Ruhestand. So rücken langsam diejenigen nach, die die prekären Arbeitsbedingungen für Einsteiger:innen selbst erlebt haben, für die Burn-Out und Depressionen keine Modeerscheinung sind und die auf dem Schirm haben: Wir müssen bessere Arbeitsbedingungen schaffen – sonst gibt es keinen guten Journalismus mehr, schlicht weil es keinen Nachwuchs gibt. Wie ironisch, dass man ausgerechnet in Zeiten wie diesen daran erinnern muss, dass guter Journalismus alternativlos ist.

Ich selbst bin aus dem klassischen Journalismus ausgestiegen, weil ich das alles nicht mehr konnte. Ich bin zwar noch immer Journalist, produziere Dokus und Reportagen. Aber jetzt zusammen mit einem großen YouTuber, der selbst erst Ende 20 ist. Und auf einmal gehören Wertschätzung, Rücksicht auf das Privatleben, eine faire Bezahlung und Sicherheit zu meinem Alltag. Ich hoffe, ich behalte Recht und auch der klassische Journalismus entwickelt sich 2026 in genau diese Richtung – die Alternative sieht düster aus!

Luca Schmitt-Walz ist Journalist aus Leipzig. Seit fünf Jahren ist er zusammen mit seiner Kollegin Annkathrin Weis Host und Gründer des Podcast „Druckausgleich“ (Journalist). Dort sprechen sie mit jungen Kolleg:innen über deren Probleme, Hürden und Sorgen in der Medienbranche. Außerdem Arbeit Luca als Investigativjournalist und Autor für den YouTube-Kanal Marvin Wildhage.

Foto: Albrecht Elstermann