Von Lennart Schneider
Subscribe Now, Berater, Podcast-Host von “Subscribe Now”
Einige der Paid Content-Modelle deutscher Verlage werden in diesem Jahr zehn Jahre alt und das rapide Wachstum der Anfangszeit flacht inzwischen ab. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mehr Abonnenten führen auch zu mehr Kündigungen, die aufgefangen werden müssen, viele Menschen sind nachrichtenmüde und die Budgets sind durch Inflation und allgemeine Wirtschaftslage knapper.
Trotzdem - oder gerade deswegen - glaube ich, dass viele Unternehmen in diesem Jahr mit hochpreisigen Abos experimentieren werden - für kleine Nischen in ihren Zielgruppen. Wenn das Wachstum nicht mehr über mehr Abonnenten kommt, dann sollten manche der bestehenden Kunden vielleicht mehr zahlen.
Das Handelsblatt macht es vor: Eine Mitgliedschaft in deren KI Circle kostet 2.500 Euro für zwölf Monate. Das ist natürlich kein Angebot für die breite Masse, sondern eine exklusive Community für eine hochinteressierte Minderheit. Die bekommt dafür Einladungen zu Events, Austausch untereinander und vor allem: einen persönlichen Zugang zu den Expertinnen und Experten in der Redaktion.
Durch Podcasts, Newsletter und Social Media werden Journalist*innen zu Marken, die eine eigene Fanbase um sich herum aufbauen. Und diese Fans füllen inzwischen oft Stadien und sind bereit, viel Geld zu zahlen, um den Hosts ihrer Lieblingsformate nah zu sein. Im B2C-Bereich wird das über Event-Tickets schon gut monetarisiert, und im B2P- und B2B-Bereich entstehen exklusive Communities rund um relevante Themenschwerpunkte.
Es gibt aber auch einen Gegentrend. Zusätzlich zu den Angeboten am oberen Preisspektrum, werden auch neue, günstigere Einstiegsangebote entstehen. Podcast-Abos und Light-Angebote sollen Nutzer ansprechen, die nicht das volle Buffet brauchen, aber bereit sind, für Teile des Angebots zu zahlen.
Die Abo-Strukturen werden also vielfältiger. Statt One-Size-Fits-All differenzieren sich die Angebote, um die Zahlungsbereitschaften neuer Zielgruppen abzudecken.