Von Lena Jakat
Augsburger Allgemeine, Stellvertretende Chefredakteurin
„Verbindungsproblem! Überprüfen Sie Ihre Netzwerkqualität.“ Solche Störgefühle, wie sie vielen aus Videokonferenzen leidlich bekannt sind, gibt es auch im Journalismus immer wieder: Wenn Zahlen belegen, dass Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen, dass manche Texte also kaum und wenige sehr viel gelesen werden, wenn Inhalte statt der eigentlich beabsichtigten Zielgruppe ein zufälliges Publikum über Google Discover erreichen, wenn Leser-E-Mails auf wachsende Distanz zum Journalismus schließen lassen.
2026 wird es darauf ankommen, die Verbindung zu unseren Leserinnen und Usern zu stärken und auszubauen. Denn nur wenn diese Verbindung steht, kann Regionaljournalismus funktionieren, und zwar inhaltlich wie wirtschaftlich. Dank vielfältiger Nutzungsdaten, Live-Dashboards etc. wissen wir heute mehr über unsere Leserschaft als je zuvor, mit dem User-Needs-Modell hat sich in den vergangenen Jahren eine zuverlässige Methodik etabliert, um Themen und Geschichten an Leserbedürfnissen auszurichten.
So wertvoll dieser Werkzeugkasten ist: Seine volle Wirkung entfaltet er erst dort, wo es einen guten Kontakt mit den Menschen und Themen vor Ort gibt. Wo Lokalredakteure auf dem Wochenmarkt ins Gespräch kommen, wo Netzwerke zu kommunalen Multiplikatoren stark sind. Dann entsteht Journalismus, der echten Mehr- und Nutzwert bietet, der die Kraft hat, Menschen mit Medien zu verbinden. Eine gute Verbindung zu den Menschen vor Ort schafft Werte – für Leserinnen genauso wie für Verlage. Nur so entstehen in Zeiten von Generative AI und KI-Suche neue, einzigartige Inhalte und nur so haben Abo-Angebote oder andere digitale Geschäftsmodelle überhaupt eine Chance.
2026 werden wir, das ist meine Prognose, demnach vieles sehen, was auf die Verbindungsqualität einzahlt: Live-Journalismus-Formate, seien es Pub-Quizzes, Live-Podcasts oder Podiumsdiskussionen zur Kommunalwahl. Weiterhin und noch mehr lokale Freizeit- und Nutzwertgeschichten. Formate, die sich unmittelbar aus Leser-Feedback speisen, z.B. einer Whatsapp-Umfrage dazu, was die Stadt lebenswerter machen würde. Mehr Angebote und Experimente bei hyperlokalen Inhalten, sei es das Comeback des Bürgerjournalismus in Form von Vereinsnachrichten oder seien es automatisierte und personalisierte News-Feeds. Mehr Bewegtbild, mehr Host-getriebene Formate, in denen Menschen (oder Avatare) vor der Kamera mit den Usern in Kontakt treten. Konstruktiver Journalismus bleibt ein Mega-Thema, um in Zeiten anhaltender Nachrichtenmüdigkeit nicht den Kontakt zu verlieren.
Es wird viele neue Kanäle und Möglichkeiten geben, über die diese Verbindung zwischen Mensch und Medium entstehen kann. Automatisierte Newsletter oder KI-generierte Podcasts, die journalistische Inhalte neuen Zielgruppen zugänglich machen. Chatbots und KI-Assistenten, die den User mit Artikelarchiven interagieren lassen und die uns vielleicht erste Hinweise darauf geben werden, wie die Zukunft der Mediennutzung der Zukunft aussehen könnte – eine Zukunft in der Suche zum Dialog wird und journalistische Inhalte zu Liquid Content.
„2026 ruft an. Einen Moment bitte, Ihre Verbindung wird gehalten.“