Von Jochen Markett
Headliner gUG, Co-Founder
Kritiker der nun folgenden Prophezeiung könnten uns vorwerfen: Das schreibt ihr doch nur, weil ihr selber davon profitieren würdet. Wir geben zu: Das wäre eine schöne Entwicklung - genau die, die wir uns bei der Gründung der Headliner gUG erhofft haben. Aber es geht hier nicht um Eigeninteresse, sondern um unsere Überzeugung: Live-Journalismus - also Bühnenformate mit Medienschaffenden - werden im Jahr 2026 eine zentrale Rolle spielen. Nach Jahren der Plattform-Dominanz, der Reichweitenlogik und algorithmischer Abhängigkeiten rückt etwas scheinbar Altmodisches wieder in den Mittelpunkt: die echte Begegnung zwischen Journalist:innen und dem Publikum.
Das zeigt sich auch daran, dass der Live-Journalismus in vielen bedeutenden Vorhersagen für 2026 auftaucht. Das Nieman Journalism Lab in Harvard prognostiziert eine Rückkehr zur Community. Medien müssten wieder Orte schaffen für Austausch, Diskussion und Vertrauensbildung. Genau hier entfaltet Live-Journalismus seine Stärke: in Theatern, Museen oder Stadtbibliotheken, wo Journalismus nicht nur auf dem Handy konsumiert, sondern gemeinsam erlebt wird.
Zudem stellt das Nieman Lab einen Wandel vom Marken- zum Personenvertrauen fest. Das Publikum orientiert sich immer mehr an konkreten Journalist:innen. Glaubwürdigkeit entsteht durch Persönlichkeit. Und Live-Formate machen diesen Faktor erlebbar: Authentizität nicht als Marketingversprechen, sondern als Erfahrung.
War dies bislang für viele Medienhäuser nur ein Nice-to-have, so wird es nun zum Geschäftsmodell. Neben dem Verkauf von Daten an KI-Firmen sowie technologischen Dienstleistungen wird die Organisation von Live-Events laut Nieman Lab zur dritten großen Erlössäule. Einige haben das Potenzial längst erkannt. In Deutschland hat es das Team von “ZEIT Verbrechen” geschafft, bei seiner Tournee im vorigen Herbst sogar bis zu 10.000 Leute pro Show in große Arenen zu locken.
Auch WDR-Intendantin Katrin Vernau hat als Erkenntnis aus dem neuen ARD-Trendradar angekündigt, mehr Angebote zum direkten Austausch mit den Menschen zu schaffen. Es gebe ein Bedürfnis nach echten Erlebnissen.
Wir Headliner schaffen diese Erlebnisse schon seit einigen Jahren mit unseren Reporter Slams und unserem Bühnenmagazin JIVE. Gerne möchten wir mit vielen Medienhäusern und Eventlocations in 2026 zusammenarbeiten, in Workshops und in gemeinsamen maßgeschneiderten Shows. Für einen Journalismus, der wieder als Beziehung gedacht wird.