Migrationsgeschichten werden 2026 Mainstream. Sie sorgen für neue Perspektiven und stärken die Vielfalt in den Medien.

Von Ekaterina Astafeva

Freie Journalistin und Moderatorin

Herkunft wird zum Content-Trend

Ich bin überzeugt: Individuelle (Migrations-)Hintergründe werden 2026 richtig in sein. Diese Entwicklung konnte man bereits 2025 beobachten: Die ersten Content-Creator:innen, die ursprünglich Videos über Lifestyle oder Mode gedreht haben, machten nun ihre Migrationsgeschichte zum Thema. Und es werden noch viele folgen.

Kochanleitungen von Ostblock-Omis oder Sketches über Migra-Eltern: Das sieht man nun vermehrt auf Social Media. Dabei wird es immer wieder auch deeper: Teilweise erfährt man von schweren Familiengeschichten, und das nicht nur durch Insta-Beiträge, sondern auch durch ganze Bücher, etwa im Bestseller „Mama, bitte lern Deutsch!“ von Tahsim Durgun oder im Buch „Deutsch genug?“ von Ira Peter.

Andere Hintergründe werden dabei als Bereicherung verstanden – als Möglichkeit, die eigene Identität individueller zu gestalten. Die Creator:innen arbeiten nicht nur ihre eigene Geschichte auf, sondern laden auch andere Menschen zum Gespräch ein: Wo kommst du eigentlich her? Wo haben deine Vorfahren gelebt? Was macht die Geschichte deiner Familie für deine eigene, persönliche Geschichte aus? Individuelle Geschichten öffnen so einen allgemeingültigen, für viele verständlichen Diskurs.

Auch die Sprache spielt dabei eine deutlich größere Rolle: Menschen, die sich früher für ihre Mehrsprachigkeit geschämt oder ihren Akzent versteckt haben, machen nun genau das zum Thema – und ihre Communities feiern das enorm.

All das wird zunehmend auch Auswirkungen auf den Journalismus haben: Redaktionen springen auf Trends auf, laden Creator:innen zu Interviews ein oder ordnen die Geschichte bestimmter migrantischer Gruppen ein. Das werden wir, so glaube ich, auch 2026 vermehrt sehen. Und das ist gut so, denn dadurch finden noch mehr Perspektiven Eingang in den Journalismus, die letztlich die Gesellschaft widerspiegeln, in der wir leben. Hoffentlich werden diese Menschen von Redaktionen künftig nicht nur zu Migrationsthemen angefragt, sondern auch zu anderen Themen – denn genau das macht wirklich vielfältige Berichterstattung aus.

Ekaterina Astafeva ist Journalistin und Moderatorin (SWR „Migratöchter“). Sie ist Head Producerin für junge WDR-Formate, schreibt für den SPIEGEL und lehrt Social-Media-Journalismus an der DJS. Die gebürtige Russin lebt seit 2019 in Deutschland. 2025 wurde sie als „Top 30 bis 30“ geehrt und gewann den Stuttgarter Moderationspreis.