Von Anja Boencke
ida, Chief Innovation Officer
Es wird keine „Big Bang KI-Features“ mehr geben. Keine Chatbots und keine Produkte, die KI nur im Namen tragen. Stattdessen wird KI endlich dort ankommen, wo sie hingehört: unsichtbar im Produkt, um die Nutzungserfahrung wirklich besser zu machen, statt nur Konfetti zu streuen.
Das, was wir aktuell in vielen Produkten sehen, wie zum Beispiel Chatbots, die irgendwie eher losgelöst neben dem eigentlichen Content schweben, oder experimentelle KI-Avatare, die nicht zum Gesamtauftritt der Marke passen, wird bis Ende 2026 aus den Apps, Webseiten und Streamingportalen unseres Vertrauens verschwinden. Das bedeutet auch, dass die Arbeit daran aus den isolierten Innovations-Hubs und Task Forces herauswandert und in der ganz normalen Produktentwicklung landet.
Statt den nächsten „Big Bang“ mit Luftballons und Tröten zu feiern, werden Medienhäuser KI nativ einfließen lassen. Ohne Brüche, ohne großes kommunikatives Feuerwerk und mit Fingerspitzengefühl gegenüber dem Gesamtauftritt der Medienmarke.
Die User merken es vielleicht nicht unmittelbar, aber sie merken eine Verbesserung in der Nutzung der Produkte. Zum Beispiel durch Interfaces, die sich wie von selbst nach den eigenen Vorlieben personalisieren, oder eine Suche, die nicht nur endlich versteht, was man wirklich meint, sondern auch weiß, ob ich das Gesuchte lieber hören, lesen oder im Video sehen möchte. KI wandelt sich vom lauten Tischfeuerwerk zur stillen Infrastruktur, die die Qualität der User Experience auf ein neues Niveau hebt.
Und mit diesem Wandel verabschieden wir uns auch vom aktuell noch omnipräsenten Chatbot. Auch über drei Jahre nachdem die Technologie in den Mainstream einschlug, scheint der Chatbot das „Default-Feature“ für alles zu sein. Aber warum eigentlich? Ich glaube, die aktuelle Flut an Bots hat wenig damit zu tun, dass ein Chat für jedes Nutzer:innenproblem die beste Lösung ist. Es hat sich eher ein Bias breitgemacht: Wir denken, KI muss in einer Chat-UI stattfinden. Einfach nur, weil wir es so gewohnt sind.
Ich glaube: 2026 lösen wir uns von diesem Bias. Wir stellen wieder die richtigen Fragen: Welches Problem lösen wir hier eigentlich? Welche Interaktion ist die smootheste für meine User? Das wird dazu führen, dass wir viel weniger aufgezwungene Bots sehen werden und stattdessen Produkte bekommen, die sich einfach reibungslos und effizient anfühlen. Und das Beste daran: Das funktioniert wahrscheinlich wunderbar ohne Chatbots.